Ab 2013 ist jeder Haushalt verpflichtet, Gebühren zu zahlen, egal wie viele Empfangsgeräte vorhanden sind – zusätzlich entbrennt nun eine Debatte über die geplante Erhöhung der Rundfunkgebühren
Die deutschen öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF haben zu den 7,5 Milliarden Zwangsgebühren pro Jahr einen zusätzlichen Finanzierungsbedarf bei der KEF (Kommission zur Ermittlung des Finanzierungsbedarfs) angemeldet: Wie die Zeit berichtete, möchte die ARD ungefähr 900 Millionen Euro mehr und das ZDF nochmal ungefähr die Hälfte. Zählt man die Forderungen vom deutsch-französischen Kultursender Arte (35 Millionen) und von Deutschlandradio (100 Millionen) dazu, beliefe sich die Gesamtforderungen der öffentlich-rechtlichen Sender auf 1,47 Milliarden Euro (gerechnet auf die gesamte Gebührenperiode).
Dies würde ab der kommenden Gebührenperiode 2013-2016 wahrscheinlich jeden Haushalt statt der erst 2009 beschlossenen 17,98 € ganze 18,86 € Rundfunkgebühren kosten.
Da ab 2013 geplant ist, wirklich von jedem einzelnen Haushalt Rundfunkgebühren zu kassieren, muss das neue Gebührenmodell jetzt eigentlich noch durch die übrigen Länderparlamente durch, sonst zahlen nur die Bürger der Länder, bei denen es schon durch ist. Und das wird für Zündstoff sorgen…
Während man in Großbritannien monatlich 12,98 Euro, in Frankreich 9,66 Euro und in Italien nur 9,08 Euro zahlt, scheint die GEZ hierzulande den Bogen zu überspannen. Und tatsächlich, das Fernsehen in Deutschland gilt weltweit als das teuerste öffentlich-rechtliche Fernsehen – alles wegen „inflationsbedingter Verteuerungen im Bereich Information, Fiktion, Kinderprogramm, Dokumentation und Sport“, wie der ZDF-Intendant Markus Schächter zu erklären versucht.
Der Präsident des Verbands Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) Jürgen Doetz kritisiert die Forderung stark und spricht von einem „völligen Realitätsverlust“ sowie einem „Affront gegenüber den Gebührenzahlern und einer Ohrfeige für die Politiker, die sich derzeit für ein neues Finanzierungsmodell engagieren“.
Schenkt man allerdings der ARD-Vorsitzenden Monika Piehl Glauben, fährt die ARD zumindest trotzdem einen konsequenten Sparkurs und stellt sich auf ein reales Minus ein. Genauso soll es laut Schächter „die niedrigste Anmeldung in der Geschichte des ZDF“ sein.
Auf Facebook kritisiert unter anderem der Satiriker und Schauspieler Oliver Kalkofe die Forderungen und weist auf die unmoderne unkreative Programmgestaltung hin „Wir zahlen auch ganz leise, damit bei Euch keiner aufwacht, versprochen!“ Auch die Fanseite der BILD ist seit Veröffentlichung der Meldung an hunderten von Kommentaren reicher.
Der Leiter der sächsischen Staatskanzlei Johannes Beermann (CDU) warnt: „Warum soll die Öffentlichkeit mit mehr als acht Milliarden Euro im Jahr eine Veranstaltung finanzieren, die immer weniger von der kommerziellen Konkurrenz zu unterscheiden ist?“ (abendblatt.de/dapd)
Wolfgang Börnsen, Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, findet die Forderungen „unangebracht, unpassend und unangemessen“ und der Geschäftsführer der WAZ Mediengruppe Christian Nienhaus kritisiert: „Es zeigt, dass es den öffentlich-rechtlichen Sendern nicht ernst ist mit ihren Sparanstrengungen. Sie fordern immer mehr Geld für immer mehr Angebote. Damit bleibt privatwirtschaftlich organisierten Unternehmen immer weniger Raum.“ Die Gebührendebatte ist in vollem Gange. Die ARD wiederum hat mittlerweile Unterstützung vom Deutschen Journalistenverband (DJV) bekommen und versucht die Erhöhung zu rechtfertigen: „Die Rundfunkgebühren müssen so bemessen sein, dass alle öffentlich-rechtlichen Sender ihren Programmauftrag in vollem Umfang erfüllen können. Es ist zweifelhaft, dass die Sender nach den eher bescheidenen Zuwächsen der letzten Jahre Preissteigerungen ohne höhere Rundfunkgebühren weiterhin auffangen können“ (DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken).
Die Kommission zur Ermittlung des Finanzierungsbedarfs (KEF) prüft derzeit des finanzierungsbedarf und möchte aber eigentlich das bisherige Finanzierungsmodell auch nach dem 1. Januar 2013 beibehalten. Ob ARD und ZDF ihre Vorstellungen tatsächlich noch durchsetzen können, ist noch unklar. Spätestens im Januar allerdings wird der Bericht der KEF Klarheit bringen.
Auch wenn die Fernsehhersteller bislang noch kein wirklich überzeugendes Bedienkonzept für Connected-TVs vorgelegt haben, bleibt der Glaube an die revolutionäre, befreiende und gelddruckende Macht internetfähiger Fernseher ungebrochen. Was – neben einer couchtauglichen Steuerung – jedoch noch fehlt, sind interessante Apps für die weltklugen Apparate, die bis dato über Wettervorhersagen, Lottozahlen und EPGs kaum hinausgekommen sind. Aus diesem Grund ist es nur verständlich, dass der Connected-TV-Riesenanwärter Samsung bereits zum zweiten Male zur „Free the TV Challenge“ aufgerufen hat, um App-Entwickler dazu zu bringen, sich dem Zukunftsmarkt etwas euphorischer anzunehmen. Ziel der Challenge ist es, unter Verwendung – und damit wohl auch innerhalb der Schranken – des firmeneigenen Software Development Kits Apps zu programmieren, welche die Lücke zwischen den verschiedenen Endgeräten überbrücken sollen. Connected-TVs, so hofft man, sollen damit künftig nicht mehr alleine im Regen stehen gelassen werden, sondern mit Smartphones und Tablets zu einem interaktiven Gesamtpaket verschmelzen. Um das zu erreichen, hat Samsung zum Bau dreier App-Typen aufgerufen:
Dem Gewinner der Challenge winken 100.000 USD, ein 65“-LED-Fernseher und ein Galaxy Tab 10.1 (sofern es das bei der Preisverleihung noch geben darf ;-)). Platz 2 und 3 bekommen immerhin noch 75.000, bzw. 50.000 USD und einen 10 Zoll kleineren Fernseher plus Tablet. Stichtag des Ganzen ist der 29. November, die Gewinner werden am 13. Januar bekanntgegeben.
Wozu solche Aktionen führen sollen, zeigt der Gewinner der Challenge 2010, das Startup MOVL. Dieses überzeugte vergangenes Jahr mit einer systemübergreifenden App-Plattform namens MOVL Connect, mit deren Hilfe Connected-TV-Inhalte mit Smartphones und Tablets gesteuert werden können. Demonstriert wurde dies damals an Minianwendungen, die es mehreren Smartphone-Nutzern z.B. erlaubten, gemeinsam eine Party-Playlist zu erstellen und über die genaue Reihenfolge der Songs abzustimmen. Bedauerlicherweise zeigt MOVL auf der anderen Seite aber auch die Grenzen des Connected-TVs: Durch die starke Fragmentierung des Markts, lassen sich nur wenige Zuschauer auf ein bestimmtes System ein. Entsprechend wenige Anwendungen gibt es auch bei MOVL, das bis heute gegenüber dem letzten Jahr nur eine zusätzliche App zu bieten hat. Starke Anreize, mehr aus dem eigentlich interessanten Konzept Connected-TV herauszuholen, liefert das nicht gerade.
So werden auch nette finanzielle Einmal-Anreize nur wenig dazu beitragen, den Markt aus seinem Zustand andauernder Selbstbeschäftigung herauszuholen, denn was nach wie vor fehlt, sind Verlässlichkeit, dass der gewählte Anbieter auf absehbare Zeit am Ball bleiben wird, und ein Grundstandard, um das Zusammenspiel von Endgeräten verschiedener Hersteller mit verschiedenen Betriebssystemen sicherzustellen. Ohne diese Grundpfeiler steht kaum zu erwarten, dass Connected-TVs in absehbarer Zeit mehr werden könnten als Spielereien für Technikbegeisterte.
Die Erfindung der Fernbedienung kann gut und gerne als eine der revolutionärsten Neuerungen des 20. Jahrhunderts gelten. Seit 1948 öffnet sie Garagentore, steuert Rasensprenger, detoniert Bomben, lenkt Modellflugzeuge und hat im Bereich des Fernsehens die moderne Sendervielfalt überhaupt erst möglich gemacht. 300 Sender ohne sie zu bedienen, wäre schließlich eine Herkulesaufgabe, bei der selbst der Göttersohn früher oder später einen Tennisarm entwickeln würde. Stattdessen können auch ungöttlichere Gestalten aus der Gemütlichkeit ihres Sofas heraus die vielfältige Einfalt – bzw. die einfältige Vielfalt – des Fernsehprogramms in all seiner Grandiosität genießen.
Nur einen Haken hat die menschheitsverändernde Fernbedienung: Sie ist nur sehr selten allein unterwegs, sehr häufig aber in Begleitung zahlloser nerviger Familienmitglieder, die dann wahlweise den Verstärker, den Blu-ray-Player, den SAT-Receiver oder die Deckenlampe steuern. Abhilfe gab es bislang nur in Form einer weiteren, diesmal programmierbaren Fernbedienung, die zumindest die Kernfunktionen der gerätegebundenen Vorgänger zu replizieren vermochte. Wirklich praktisch war allerdings auch das nur selten, vor allem, weil kaum je alle Geräte voll erkannt und steuerbar wurden.
Eine alltagsnähere, zukunftsorientiertere Alternative liefert nun das US-Unternehmen Dijit. Dort hat man eine iPhone-App entwickelt, die – in Verbindung mit einem 80 Dollar teuren Signalwandler namens Beacon – die Bluetooth-Signale des iPhones in Infrarot-Signale umwandelt, welche dann wiederum die gewünschten Endgeräte steuern. Aus vielen Fernbedienungen wird damit gar keine mehr, stattdessen liegt einem die TV-Welt mit dem Gerät zu Füßen, das man sowieso schon ständig in der Tasche hat. Für die Smartphone-Generation zweifellos eine geniale Lösung.
Und natürlich hat das Ganze, wie könnte es auch anders sein, noch eine Social-TV-Nebenfunktion im Angebot: Mit der App kann man nämlich nicht nur wild herumzappen, sondern auch in die gerade laufende Sendung einchecken, und das ohne viel Herumgeklicke, da die App als Fernbedienung natürlich weiß, was man gerade sieht. Den Check-in kann man dann branchenüblich via Twitter und Facebook weiterversenden, wobei Dijit dem altbekannten – um nicht zu sagen: öden – System noch etwas mehr Farbe verleiht als die Konkurrenz. Zur aktuellen Sendung führt die App nämlich eine Echtzeitsuche auf YouTube durch, sodass User im Idealfall passende Ausschnitte direkt via Twitter und Facebook weiterversenden können. An die Stelle der üblicherweise eher wenig gehaltvollen Check-in-Berichte der Marke „Ich gucke gerade XYZ“ treten dadurch also Videomeldungen, wodurch das prinzipiell einfallslose Einchecken und Weitersagen zumindest noch einen gewissen sittlichen Nährwert entfaltet.
Trotzdem stellt sich die Frage, ob Dijit seine an sich hervorragende Idee vom iPhone als Universalfernbedienung nicht durch seine eher einfallslose Check-in-App selbst entwertet hat. Insbesondere angesichts der Konkurrenz von GetGlue und Miso könnte es gut sein, dass die iPhone-Steuerung als einziges Element der Dijit-App langfristig überlebensfähig ist.
Sport = Entertainment = Social Media heißt die neue Formel von Sky Deutschland. Der größte deutsche Pay-TV-Sender treibt nun auch sein Unwesen im Sozialen Netz und steht damit im Windschatten zahlreicher anderen TV-Sportskanonen
Mit „Dein Sky Sport“ ist der Sender seit Juni/ Juli 2011 auf Facebook und Twitter aktiv. Unterstützt wird Sky Deutschland bei seinem Social-Media-Experiment durch die Münchner Full-Service-Agentur für digitale Kommunikation Conrad Caine. Unter dem Motto „Unsere Saison ist Deine Saison“ können sich Fans auf Facebook und Twitter in Zukunft nicht nur informieren, Fragen an Experten und Sky-Reporter stellen, mitdiskutieren oder an Votings mitmachen, sondern auch aktiv an der Berichterstattung von Sky teilnehmen, wobei die Redaktion die Fan-Reaktionen sogar in ihre Live-Sendungen integriert. So soll die Berichterstattung zur derzeit laufenden Bundesliga und zum gesamten Live-Sportangebot von der Fomel 1 über Eishockey und Golf für die Zuschauer von Sky Deutschland zu einem „völlig neuen Erlebnis“ werden, obwohl es sich dabei doch eigentlich nur um eine weitere Ein-Sender-App handelt. Noch näher dran am Geschehen kann man wahrscheinlich nur im Stadion selbst sein – oder?! Laut Conrad Caine, dem sogenannten Wirtschaftswunderkind und Geschäftsführer der gleichnamigen Agentur, wurden hierfür sogar extra die Begriffe Awareness Loop und Value Loop kreiert: „Denn aus der Integration von Social-Media- und TV-Angebot entsteht eine sich gegenseitig verstärkende Aufmerksamkeitsschleife, die über Kundenbindung und –involvement nachhaltig zur Wertschöpfung beiträgt.“ Die Erkenntnis ist zwar nicht neu, aber endlich gibt es dafür nun geeignete Begriffe!
Einzelne Fernseh-Spartenprogramme wie Eurosport und Eurosport 2 sowie Sportdigital sind schon längst auf Facebook und Twitter vertreten und nutzen ebenso ausgiebig ihre Social-Media-Kanäle, um die Zuschauerzahlen zu erweitern. Der TV-Sender Eurosport punktet seit mittlerweile zwei Jahren vor allen Dingen auch mit seiner mehrsprachigen App für iPhone, iPad, Blackberry und Android (5 Mill. Downloads, täglich 650 000 Besuche). Live-Berichterstattung, Tor-Alarm, Ticker, User-Kommentare, Social-Media-Anbindung und Video-Inhalte können so ganz einfach von unterwegs bezogen werden – und das sogar kostenlos. Ganz im Gegensatz dazu wird übrigens für die App von Sky Sport ein stolzer Betrag von schlappen 12 € im Monat veranschlagt, was sowohl dem Einen oder Anderen preislich etwas auf den Schlips treten kann, als auch zahlreiche Studien noch belegen: Mit Bezahl-Apps kann man nur verlieren!
Social Media hält im Bereich Sport generell mehr oder weniger geglückt Einzug, was man beispielsweise schon an den florierenden und unterschiedlich anspruchsvollen Netzauftritten der Vereine der 1. Fußball-Bundesliga sehen kann. Das Social-Media-Sport-Business gilt also nicht nur für TV-Sender, sondern auch für viele Sportler und Vereine als neue Herausforderung, da diese Medien eine spezielle Strategie erfordern, um die Fangemeinde zu vergrößern und die Beziehung zu den Fans zu intensivieren. Und nicht jeder bekommt eine sich mit Wortneuschöpfungen glorifizierende Kommunikationsagentur aka Conrad Caine zur Seite gestellt. Wie innovativ Sky Deutschland letztendlich die dialogorientierten und damit interaktiven Möglichkeiten des Webs 2.0 in Zukunft wirklich ausschöpfen wird, bleibt vorerst abzuwarten. Wird sich „Dein Sky Sport“ tatsächlich von der Konkurrenz wie ZDF Sport, Sportschau, Formel 1 bei RTL, Boxen bei RTL, Sport.de und Co abheben können?
Noch bis morgen läuft in Berlin die IFA, die im Fernsehbereich dieses Jahr unter dem Motto „nichts neu, alles besser“ zu stehen scheint. Wer nach neuen Trends sucht, wird entsprechend enttäuscht werden, die alten erfreuen sich hingegen weiter großer Beliebtheit. Beispiel: 3D. Nach Fernsehern und Computerbildschirmen mit 3D-Funktionalität (und wahlweise mit oder ohne Brille), gibt es die dritte Dimension nun auch für Smartphones. Ob das sinnvoll ist oder nicht, mag jeder für sich entscheiden. Erstaunlicherweise sind 3D-Handys bei weitem nicht die seltsamste Produktneuheit der IFA, gibt es auf der Messe doch auch Samsung-Kühlschränke mit Touchpad und Internetanbindung zu bestaunen. Der Traum vom Tweeten per Eisschrank wird damit (endlich?) Wirklichkeit.
Und Thema Samsung: Die Neuauflage des bereits bekannten 007-Tischs Surface ist fertig. Das Microsoft-Kooperationsprodukt liefert auf 102 cm Bilddiagonale Full-HD-Auflösung und steuert sich, anders als das Vorgängermodell, mit Infrarot-Scannern, wobei gleichzeitig bis zu 50 Berührungen erkannt werden können. Mit seinem Preis von 12.000 € ist das Modell noch nicht ganz alltagstauglich, die Widerstandsfähigkeit wäre allerdings studentenbudenreif: Den Aufprall harter Gegenstände – Bierflaschen, Kugeln, Deckenlampen – soll das Display bereits aushalten können.
Während Samsung auf diesem Wege den Wohnzimmertisch ersetzen will, setzt Sharp lieber auf den klassischen Fernseher, bzw. auf dessen Hulk-Version: Totales, ultimatives Super-HD lautet das Gebot der Stunde. Zu diesem Zweck ist das Unternehmen mit einem Gerät von 2,16m Durchmesser und einer Auflösung von 7680 mal 4320 Pixeln unterwegs. Sharps sogenannte Super-Hi-Vision versechzehnfacht also die Pixelzahl von Full-HD. Blöd nur: Es gibt bislang weder Ausgangsmaterial, noch Anschlüsse für diese Auflösung. Sharp greift auf der IFA deshalb auf 16 HDMI-Anschlüsse zurück, um sein Signal – Testbilder des japanischen Senders NHK, der bereits eifrig an Super-HD-Angeboten arbeitet – einzuspeisen. Und da dachte man mal, mit dem Kabelsalat wäre es im goldenen Zeitalter des Superfernsehens endlich vorbei.
Konventioneller sah im Vergleich der Superfernseher Cinema von Philips aus: Das 21:9-Gerät ist voll auf Filmbegeisterte ausgerichtet und ermöglicht kinotaugliches Breitbildgucken ohne schwarze Balken. Der, vom Bildformat einmal abgesehen, interessanteste Aspekt des Geräts ist seine Entspiegelungstechnik. Nach dem Vorbild der Augen von Motten schluckt die Bildoberfläche einfallendes Licht und bleibt, anders als bisherige Flachbildfernseher, farbstark und lichtintensiv. Fernsehen in lichtdurchfluteten Räumen wird so nicht nur möglich, sondern im Idealfall sogar zum Vergnügen. Der Konkurrenz von Loewe fiel als Verkaufsargument für ihr 21:9-Megagerät da nur die Drehbarkeit des Geräts ein: Wer möchte kann den Fernseher ins Hochformat drehen, um im unteren Bildbereich z.B. Twitter und Facebook Raum zu bieten. Für Social-TV-Anwender könnte das also durchaus einen Blick wert sein.
Abseits von Riesenfernsehern und Einrichtungsgegenständen mit Touchfunktion hat Sony den Gedanken ans Kino zum Mitnehmen noch nicht aufgegeben: Die OLED-Videobrille – die in den meisten Alltagssituationen potentiell lebensbedrohlich sein dürfte – erinnert an eine Mischung aus Star-Trek-Visor und einen umgedrehten Kindersitz und verspricht totale Isolation von der Außenwelt. Laut Sony soll sie das Bildgefühl einer 20 Meter großen Kinoleinwand simulieren, wobei erste Tester das nicht unbedingt unterschreiben konnten. So oder so ist die Wahrscheinlichkeit, sich mit dem Nasenkino um einen Laternenpfahl zu wickeln, eher hoch, als Gamer oder Filmfan dürfte man mit dem Gerät auf dem Sofa, im Bett oder auf Reisen aber durchaus seinen Spaß haben.
Ebenfalls von Sony kommen zwei neue Tablets, die das iPad nicht ganz so dreist kopieren wie gewisse andere Anbieter *hustsamsunghust*: Das Sony S richtet sich zwar an die iPad-Alternativsucher, ist aber ergonomisch ausgeformter als das Original und mit der Totalintegration des Sonyshop Entertainment Network Service voll auf den Medienkonsum ausgerichtet: Fernsehserien und Filme sollen genauso einfach heruntergeladen werden können wie Musiktiteln und längerfristig auch E-Books und Zeitschriften. Das zweite Sony-Tablet, das Sony P, sieht aus wie eine Handheld-Konsole und funktioniert nach dem Prinzip eines Klappspiegels: Aufgeklappt hat man oben und unten einen Bildschirm und die Wahl, ob man jedem Schirm eine eigene App zuweist oder beide für die gleiche verwendet. Nett für Playstation-Fans: Beide Tablets können als Fernbedienung von Sony-Geräten Verwendung finden.
Weitere Tablets stellten Dell (Streak 7), Acer (Iconia Tab A100), Huawei (MediaPad), Lenovo (IdeaPad Tablet K1) und Toshiba (AT200) vor. Die Hauptverkaufsargumente hier sind mit Dicke (möglichst dünn) und Gewicht (das leichteste der Welt) die wohl nachrangigsten Aspekte beim Tabletkauf, gespart wird hingegen bei Innovationen an Design und Ausstattung. Die Ergebnisse wirken entsprechend nicht inspirierter als die Produktnamen und machen wenig Hoffnung, dass Apple seine Tablet-Dominanz in näherer Zukunft verlieren könnte.
Das interessanteste Produkt der IFA haben wir uns für den Schluss aufgehoben: Handschuhe für Touchscreen-Nutzer. Mit eingewebten Silberfäden, halten die nicht nur schön warm, sondern leiten zudem auch Strom, womit Smartphones und Tablets auch im sibirischen Winter bedienbar bleiben. Und auch der Preis der Agloves-Produkte stimmt: Mit unter 20 Dollar pro Paar ist man schon dabei.
Wieder eine Marktlücke erfolgreich geschlossen.
Seit dem Ende der Sommerpause für die ARD-Kriminalreihe „Tatort“ am 14. August füllten den Sonntagabend bisher drei „Tatort“-Erstausstrahlungen: einer aus der Schweiz, einer aus Österreich und zu guter Letzt einer aus Deutschland. Zu jedem Krimi entbrannte auf den Social-Media-Kanälen eine heiße Debatte um die verwendete Mundart – außer beim deutschen „Tatort“, obwohl gerade Köln mit einem starken rheinischen Regiolekt behaftet sein müsste, würde die ARD dialektale Färbungen im „Tatort“ unterstützen. Aber nichts da! In Köln, wie in einigen anderen deutschen Städten, aus denen wöchentlich eine weitere Folge des “Tatorts” hervorgeht, spricht man ein mehr oder weniger klares Hochdeutsch. Dialekt wird nur wenig (wie in Stuttgart und Saarbrücken) bis gar nicht berücksichtigt, was vor allen Dingen an der medienpolitischen Entscheidung der ARD-Gremien liegen mag. So ist auch die neuste Folge „Altes Eisen“ mit Max Ballauf (Klaus Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) aus Köln, die zudem eine Jubiläumsfolge ist, leider wenig dialektbehaftet.
Nun aber Botter bei de Fesch, wie der Kölner eigentlich sagen würde, hätte er keine ARD-Auflagen bekommen: Werden Mundarten beim „Tatort“ wirklich nicht sehr leidenschaftlich gepflegt, obwohl sie eigentlich von Anfang an mit dazu gehörten? Ausnahmen bilden vor allem die vorletzten zwei Folgen aus Österreich und der Schweiz, bei welchen hauptsächlich das deutsche Publikum seine Ohren eben einmal genau spitzen musste. Nicht verwunderlich also, dass Kritik am dialektbehafteten „Tatort“ ins Rollen kam. Es hieß sogar, das deutsche TV-Publikum würde den Faden verlieren, da die Figuren wegen ihres Tiroler Dialekts oder dem Schwizerdütschen nur teilweise oder schwer zu verstehen gewesen seien. Umfragen zur „sprachlichen Gestaltung“ wurden gestartet. Sollten „regionale Farbtupfer“ toleriert werden? Würden nicht einige Dialekte mit großer Sicherheit vielleicht sogar auf Abneigung stoßen?
Auch aus den eigenen Reihen muss sich der neue Schweizer „Tatort“ mit Stefan Gubser als Reto Flückiger Übles anhören: „Die Schweizer Profi-Schauspieler reden wie Laien im Dorftheater. Es holpert und ächzt - und tut in den Ohren weh,” so die Schweizer Presse. Swizerdütsch entsprach neben kurzen Passagen in Hochdeutsch einem Großteil der Unterhaltungen. Das österreichische Team aus Wien mit Harald Krassnitzer als Chefinspektor Moritz Eisner und Adele Neuhauser als Bibi Fellner musste ebenfalls schon einiges an Kritik einstecken. Alles nachzulesen auf der „Tatort“-Facebook-Fanseite sowie Twitter, wo derzeit immer noch über die Pro- und Contra-Punkte debattiert wird. Mitdiskutieren? https://twitter.com/#!/search/Tatort und https://www.facebook.com/Tatort
Das Check-in-Prinzip war aus den meisten Social-TV-Apps bisher kaum wegzudenken, denn praktisch jeder Anbieter baute – und baut vielfach noch immer – darauf, seine User mit Stickern und ähnlichem Firlefanz dafür zu belohnen, wenn diese in eine Fernsehserie oder eine Live-Show “einchecken“. Ein Grund dafür: Check-ins stellen die einfachste Methode dar, als App-Anbieter festzustellen, was die eigenen User gerade am Fernsehschirm sehen, und genau dieses Programm zu begleiten, ist wiederum Sinn und Zweck einer jeden Second-Screen-App. Entsprechend erstaunlich mutet deshalb an, dass ausgerechnet Miso, ein Aushängeschild der Check-in-Gemeinde, nun angekündigt hat, zumindest im Ansatz neue Wege beschreiten zu wollen. In Zusammenarbeit mit dem US- Satellitenbetreiber DirecTV will Miso seinen Nutzern künftig das Einchecken erleichtern. Dazu möchte man seinen Usern die „Arbeit“ abnehmen, bei jedem Umschalten in der Miso-App neu nach der nun laufenden Sendung zu suchen.
Die Technik dahinter ist vergleichsweise simpel: Wenn ein User sein Second-Screen-Gerät – also sein Smartphone oder Tablet – im gleichen W-LAN betreibt wie seine Set-Top-Box, kann die Miso-App mitverfolgen, welcher Sender gerade läuft. Danach bildet Miso die entsprechende Sendung auf dem Second-Screen ab. Völlig vom Check-in-Gedanken will sich Miso aber offensichtlich nicht abbringen lassen, denn das Einchecken in die nun automatisch erkannten Sendungen bleibt Kerngedanke und Hauptinteraktionsfunktion der App. Langfristig plant Miso, mit dem Konzept unter anderem neue, lukrative Werbeoptionen umzusetzen. Ganz neu ist der Set-Top-Vernetzungsgedanke übrigens nicht: So zielt auch das Startup Flingo auf die direkte Kommunikation mit Set-Top-Boxen, Blu-ray-Spielern und Connected-TV-Geräten ab, um ohne zeitliche Verzögerung eine interaktive First-Screen-Second-Screen-Vernetzung zu realisieren. Wie viele Social-TV-Startups steht allerdings auch Flingo erst in den Startlöchern.
Weiter ist man da schon bei IntoNow und BeeTV, wobei dort eher menschlich anmutende Techniken im Einsatz sind: Vor seinem Verkauf an Yahoo setzte IntoNow beispielsweise auf ein Erkennungssystem, das die Fernsehtonspur mit der hauseigenen Datenbank verglich, um synchron Inhalte zur Sendung in der IntoNow-App darzustellen. BeeTV versucht währenddessen lieber, gleich das gesamte Fernsehprogramm mitzuverfolgen, um auf dieser Basis begründete Vermutungen über das beim User aktuell laufende Programm anstellen zu können. Und Anbieter wie Ex Machina oder Screach arbeiten ganz einfach nur mit ausgewählten Sendern zusammen, deren – aus der Zeit gefallene – Einzel-Sender- oder gar Einzel-Sendungs-Apps sie mit interaktiven Inhalten beliefern.
Welche Technik sich am Ende aber auch durchsetzen mag, feststeht, dass klassische Check-ins für das soziale Fernsehen das sein dürften, was animierte Gifs für das Internet waren: Interessante Auflockerungselemente, die schnell an Reiz und Erträglichkeit verloren. Eine Social-TV-Zukunft im Check-in-Karzer ist kaum vorstellbar.
Schon seit Monaten macht Facebook keinen Hehl daraus, dass eine Erweiterung der Plattform in Richtung soziales Fernsehen weit oben auf der To-do-Liste steht. Der Facebook-Manager für Strategic Media Partnerships Andy Mitchell betonte bereits Anfang Juli die wachsende Bedeutung von sozialen Programmführern und erklärte Facebook mit seinen aktuell mehr als 1,65 Milliarden Likes für Serien und TV-Shows zum idealen Programm-Empfehlungsdienst. Nach ersten Schritten in Richtung Hulu, legt eine Meldung von Mashable nun nahe, dass Facebook langsam damit beginnen könnte, wirklich Nägel mit Köpfen zu machen.
Dem Bericht zufolge plant Facebook, im September seinen langerwarteten Musikdienst ans Netz zu bringen. Anders als Onlinemusikshops wie Amazon und iTunes will Facebook dabei jedoch keine eigene Musikdatenbank aufbauen, sondern auf (US-)Streaminganbieter wie Spotify, MOG und Rdio zurückgreifen. Offiziell soll die Plattform am 22. September bei der Facebook-Entwicklerkonferenz vorgestellt werden. Längerfristig soll es sich Facebook darüber hinaus aber zum Ziel gesetzt haben, nicht nur Musik-Streaming-Diensten Tür und Tor zu öffnen, sondern Medienanbietern jeder Couleur, um aus Facebook insgesamt eine soziale Medienplattform zu machen. Genau wie bereits jetzt Apps und Spiele via Facebook vertrieben werden, könnten künftig auch Filme und Serien angeboten werden. Aus dem größten sozialen Netzwerk der Welt würde dadurch die größte digitale Videothek, Empfehlungen von Freunden inklusive.
Interessant dürfte nun werden, wie Contentlieferanten – die Musikindustrie, Fernsehsender und Filmstudios – auf diese Entwicklung reagieren und welche Auswirkungen Facebook auf den VOD-Markt insgesamt haben könnte. Einerseits könnte der Einstieg des Internetriesen zu einer umfangreicheren Programmauswahl im Streaming-Bereich führen. Zuletzt hatten die großen US-Anbieter Hulu und Netflix nämlich wachsende Schwierigkeiten, Premiummaterial für ihr Angebot zu finden, da die Fernsehsender durch die vielfach kostenlose Onlineausstrahlung Probleme mit ihrer Stammklientel – den Kabel- und Satpartnern – bekamen.
Mit der geballten Macht von Facebook im Rücken könnten die Streaming-Plattformen bei Verhandlungen mit Sendern und Studios , die sich das Wohlwollen von Facebook für ihre eigenen Social-TV-Pläne nicht verscherzen dürften, künftig die besseren Karten haben und ihren Nutzern qualitativ und quantitativ bessere Inhalte anbieten. Genauso denkbar ist allerdings, dass Facebook zur Streaming-Schleuse werden und die bestehenden Anbieter gegeneinander ausspielen könnte. Dann würden am Ende auch die Endnutzer mit höheren Preisen und einem begrenzterem Angebot dastehen.
In jedem Fall versprechen die nächsten Monate für die weitere Entwicklung des sozial vernetzten Onlinevideomarkts interessant zu werden.
Die Mühlen von „DSDS“ beginnen sich erneut zu drehen: Vorfreude auf noch mehr grenzwertige Kommentare zu synthetischen Sangesmarionetten steigt – trotz vergangener Verstöße gegen das Jugendmedienschutzgesetzt
Die lancierten Sprüche von Dieter Bohlen haben bisher immer zu einem Skandal geführt. Darauf war Verlaß – darauf reagierte man brüskiert bis amüsiert. Nun darf sich wieder auf eine neue Staffel der RTL-Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) gefreut werden. Gespickt mit gewitzten Gemeinheiten und fröhlichen Bespöttelungen wird eine neue Generation an Kandidaten in die Maschinerie der Superstar-Fabrik gepfercht. Seit Ende August trennt Dieter wieder wenig einfühlsam oder chevaleresk auf seiner Casting-Truck-Tour zum 9. Mal die talentfreien von den adäquaten bis begnadeten Kandidaten aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz, die nach dem britischen Vorbild „Pop Idol“ in der RTL-Castingshow den Zuschauern vier Monate lang ihr (Nicht-) Können präsentieren.
Neu ist, dass der Superstar 2012 neben dem C-Prominenten-Stempel samt baldigem Verfallsdatum und dem gewohnten Plattenvertrag nun noch 500.000 Piepen erhält. Außerdem wird’s eine neue Jury geben – vielleicht Bushido oder Stefanie Kloß von Silbermond – und Kandidaten dürfen nun auch älter sein als 30, obwohl sie dann ja eigentlich nicht mehr als formbar, sondern sogar als kritisch gelten. Die Show ist eine der erfolgreichsten Castingshows im deutschsprachigen Raum – aber auch eine der umstrittensten.
Bis 12. Oktober 2011 hat nun auch Menderes Bağcı wieder Zeit sich für die Castingshow zu bewerben. Der – sagen wir mal hypermotivierte Unterhaltungskünstler – hat sich bisher konsequent bei jeder Staffel beworben und schaffte es einst sogar bis in den Recall. Auch durch Bohlens Sprüche („Wenn ich einen blöden Gag machen will, dann sag ich nur Menderes und alles lacht“) war er nicht abzuschütteln. Sollte sich Menderes trotz der geglückten Nasen-OP entgegen aller Erwartungen das späte und um-Gottes-Willen-vielleicht-nicht-ernst-genug-gesagte DSDS-Verbot von Dieter Bohlen zu Herzen nehmen und nicht teilnehmen, kann man den DSDS-Dauer-Loser mittlerweile auch tatsächlich für Privatfeiern buchen und wer will den charmanten und immer alles gegeben DSDS-Dauer-Loser nicht auf seiner Hochzeit singen hören? Weitere gescheiterte Casting-Teilnehmer treten seit 2009 im Hamburger Theater Kampnagel mit dem Stück „Stars United“ auf, in dem sie die Kehrseite der Castingshows parodieren.
Kritik musste Dieter bisher viel einstecken. Die Castingshow SSDSGPS (Stefan sucht den Super-Grand-Prix-Star) ist Stefan Raabs (TV total, ProSieben) Antwort auf das „inszenierte Abwatschen armer Seelen, das nur niederste Instinkte befriedige“, wobei Raabs Konzept 2005 sogar mit dem Adolf-Grimme-Preis für das kreative Format geehrt wurde, welches die illusionierte und Menschen herabsetzende Welt von DSDS kontrastierte. Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) leitete im Januar 2007 sogar ein Prüfverfahren zu DSDS wegen „möglicher sozialethischer Desorientierung von Kindern und Jugendlichen“ ein und warf dem Sender antisoziales Verhalten und Respektlosigkeit vor, da es sich um eine bewusste Inszenierung handelte. Und tatsächlich, der Sender selbst räumte ein, dass Dieter Bohlen Kandidaten in zum Teil grenzwertiger Art und Weise bewerte. Obwohl RTL in einigen Sendungen durch die beleidigenden Kommentare, der skandalträchtigen Inszenierungen vor einem johlenden Millionen-Publikum samt boulevardmedialer Ausbeutung der Kandidaten gegen die Jugendschutzbestimmungen verstoßen hat und somit gerade jüngeres Publikum beeinträchtigte, wurde die Show bisher weder ins Spätprogramm von RTL verschoben, noch wurde etwas am Sendungsformat verändert.
Und so wird Bohlen auch diesmal wieder seine Kandidaten herabsetzen, verspotten und lächerlich machen und suggeriert damit, dass es vollkommen normal sei sich antisozial zu verhalten. Seit einigen Tagen werden auch wieder die alten DSDS-Songs im Radio gespielt und das Publikum damit langsam darauf vorbereitet: Freuen wir uns also wieder auf Dramen produzierende und demütigende Kritik von Dieter wie „Wenn du deine Stimme zwischen zwei Mülltonnen stellst, können wir da ‘n schönes Familienfoto von machen“ oder auch „Wenn ich meinem Hund ‘ne Currywurst in den Hintern schiebe, dann macht der auch solche Geräusch,“ denn „Das Ding heißt hier nicht: ‘Deutschland sucht Naturkatastrophen’.“
Seit erste Gerüchte über ein Android-Tablet von Amazon das Web unsicher machen, steht das namen-, erscheinungsdaten- und spezifikationslose Produkt auf der Wunschliste so mancher iPad-Alternativsucher. Inzwischen veranlasst der Glaube, das AmazonPad könnte als erstes Tablet eine echte Chance gegenüber dem Apple-Vorbild haben, einige Analysten sogar dazu, das unmöglich einzuschätzende Gerät zum iPad-Killer zu stilisieren: „Das Amazon-Tablet wird das iPad beerdigen“, heißt es beispielsweise bei Forrester. Zur Beruhigung aller Apple-Nutzer sei erwähnt, dass genau die gleichen Analysten im vergangenen Jahr einen dramatischen Einbruch der iPad-Verkaufszahlen vorhersagten, was jedoch nichts daran ändert, dass die weiteren Prognosen durchaus interessant zu lesen sind.
So gehen die Vorhersagen beispielsweise davon aus, dass allein im vierten Quartal des Jahres 3 bis 5 Millionen AmazonPads verkauft werden könnten. Um dies zu schaffen, müsste Amazon sein Tablet den Analysten zufolge nur für um die 300 Dollar auf den Markt werfen. Erfreulich, dass eine namenlose Quelle der New York Post diesen Preis sogar schon bestätigt haben will: Dem Bericht nach, soll Amazon planen, den aktuellen iPad-Preis von 499 Dollar um mehrere hundert Dollar zu unterbieten.
Preisspekulationen und –hoffnungen wurden durch diese Aussage natürlich Tür und Tor geöffnet, weshalb sich Analysten und Tablet-Fans die Wartezeit nun damit vertreiben, mit mehr oder weniger fundierten Argumenten den eventuellen Preis des AmazonPads vorherzusagen. Der bislang niedrigste Preis im Rennen beläuft sich auf 99 Dollar, da sich das TouchPad von HP bekanntlich erst bei Erreichen dieser magischen Schwelle vom Ladenhüter zum Verkaufsschlager wandelte. Realistische Schätzungen gehen indes von 199 bis 299 Dollar und begründen diese Zahlen damit, dass Amazon in erster Linie bestrebt sein könnte, den Preis des „Nook Color“-E-Book-Readers seines Onlinehauptkonkurrenten Barnes & Noble zu unterbieten, der aktuell bei 249 Dollar liegt.
Unabhängig vom späteren Erfolg, hat Amazon mit seiner Informationspolitik – bzw. deren Nicht-Existenz –eines also schon geschafft: Sein Fabelgerät ohne Profil ist ohne sein Zutun in aller Munde. Für Tablet-Kunden, App-Nutzer und Second-Screen-Fernsehfans dürfte der Oktober insofern ein spannender Monat werden. Erwächst dem iPad endlich ein würdiger Gegner oder platzt hier nur einmal mehr eine große Spekulationsblase?